IN ACHT SCHRITTEN ZUR STUTTGART-STAATSBÜRGERSCHAFT
We have been living near Stuttgart since a little more than 6 years (minus 3 years Covid). I didn’t pass (4 out of 8) to become a Stuttgarter, but that’s ok 😅 We love living in the country side.
#1) Den Stuttgarter Fernwanderweg laufen

Unsere bayrischen Nachbarn würden vielleicht behaupten, dass wir mit unseren Wanderwegen nicht gerade hausieren gehen können. Tja diese Banausen sind, wenn sie denn überhaupt schon in der schwäbischen Metropole zu Gast waren, wohl immer per Auto eingefahren. Denn wer das gute alte Verkehrsmittel Eisenbahn wählt, wünscht sich spätestens nach dem Ausstieg am Stuttgarter HBF, er oder sie hätte die Salomon-Wanderschuhe eingepackt. Was da auf einen zukommt, ist unter waschechten Stuttgarter|nnen nur als „Der Fernwanderweg” bekannt. Mit allerletzten Kräften wird sich dann durch den Tunnel gekämpft, als hätten die Umstiegs-Sprints und Verspätungen der Deutschen Bahn einen nicht eh schon genug gequält. Bis man nach einem nicht enden wollenden Weg endlich vor der Kö-nigstraße steht. Glückwunsch, das erste Totem ist geschafft!
#2) Den VfB im Stadion verlieren sehen

Jaja, der VfB spielt so gut wie noch nie (dreimal auf Holz geklopft) – wissen wir. Und das ist auch gut und recht so. Denn das haben sich die Fans und die Mannschaft mehr als verdient. Aber: Waschechte StuttgarterInnen dürfen sich wirklich nur die nennen, die schon einmal eine Träne in den heiligen heimischen Hallen der MHP-Arena vergossen haben. Zeuge einer bitteren Niederlage der Roten zu werden, gehört dazu wie die Maultaschen in der Suppe. Und wir sagen nicht, dass Zugezogene und Neu-Fans jetzt darauf hoffen sollen, dass der VfB bald mal wieder verliert. Wir sagen nur: If you haven’t seen them loose, you haven’t lived. Oder anders gesagt: „Dann bisch halt no koi richtiger Stuggarter.”
#3) Am Pragsattel im Stau stehen

Was kann Stuttgart? Autos, richtig! Und was kann Stuttgart noch? Baustellen, genau. Machen wir ein kleines Mathe-Spiel draus: Wenn man X und Y addiert, was kommt dann dabei heraus: Korrekt, Stau! Und auch darin ist die Stadt ein echter Spitzenreiter. Wer sich so richtig verbunden mit ihr fühlen möchte, der sollte sich in sein Auto setzten (wer keins hat, der muss halt eins leihen, Pluspunkte gibt’s für einen Daimler – obviously) und zum Pragsattel fahren. Denn nirgends im Kessel steht es sich so gut und lange im Stau wie dort. Und zwischen Warten und Fluchen und Beschweren und Schimpfen, wird man schnell merken: Das ist er also, dieser Stuttgart-Spirit, von dem immer alle sprechen. Und keine Sorge, der ganz Stress und die Aufregung lohnen sich. Denn, Gratulation, ein weiteres Totem in der Tasche.
#4) Die Heslacher Wasserfälle suchen
Von wegen Niagara Fälle! Wer will schon nach Kanada oder USA, wenn in Heslach die Musik spielt – die des rauschenden Wassers. Ja, richtig gehört, auch Stuttgart kann mit solcher Naturschönheit dienen: den Heslacher Wasserfällen. Wer sich durchs Dickicht über Stock und Stein, raus aus der dampfenden Großstadt, rein ins grüne Abenteuer gequält hat, der wird früher oder – je nach Laufgeschwindigkeit – vielleicht auch später, mit der Quelle des Lebens belohnt. Zugegeben, wenn man dann vor dem Rinnsal steht, das die Felsen runtertröpfelt, ist man vielleicht doch etwas enttäuscht.Aber immerhin war’s umsonst! Und Pluspunkt: Dieser Ort ist sicher nicht von Touris überlaufen. Im Gegenteil. Dahin verirren sich nur echte StuttgarterInnen (einmal).
#5) Auf den Tänzer im weißen Laken treffen
Die Königstraße ist ein Ort, bei dem man es sich zweimal überlegt, ob die Besorgungen vielleicht auch wo anders erledigt werden können. Falls der Weg über die royalste, vollste und nervigste Straße der Stadt doch unausweichlich ist, dann kann man zumindest auf einen kleinen Grund zur Freude hoffen: den „Toga-Tänzer”. Eine wahre Stuttgarter Institution, eine Kessel-Legende möchte man sagen. Egal, ob zu Hits von Whitney Houston oder türkischer Straßenmusik: Der Mann im weißen Laken und mit runder Hornbrille tanzt fröhlich und elegant über das Pflaster, schwingt die Hüften und lädt Schaulustige zum Mitmachen ein. Bonus-Punkte gibt’s, wenn man den Zeitgenossen bei alltäglichen Besorgungen antrifft – natürlich trotzdem im weißen Gewand versteht sich.
#6) Zur Wasenzeit U-Bahn fahren

Was München kann, kann Stuttgart schon lang. Auch im Wettsaufen lassen sich die Schwaben nichts nehmen. Da wird kein Bier stehen gelassen, kein Tropfen im Glas bleibt über – man hat schließlich (Unmengen an Geld) dafür gezahlt. Wer denkt, um so richtig dazu zu gehören, müsse man einfach mal über den rammelvollen Wasenplatz gelaufen sein oder sich im Zelt die Kante gegeben haben, der irrt. Echte StuttgarterInnen müssen sich nämlich jedes Frühjahr und jeden Herbst der ultimativen Überlebens-Parcours-Challenge stellen und in der stinkenden, überfüllten U-Bahn elegant den Betrunkenen und deren Kotze ausweichen. Schon mal geschafft? Dann Häkchen dahinter!
#7) Auf der Theo fast vom Porsche überfahren werden

In anderen deutschen Städten ist der Porsche ein absolutes Luxus-Gut, in Stuttgart eher ein Must-Have der oberen Mittelschicht. Porsche-Besitzerlnnen in Stuttgart scheinen der goldenen Regel zu folgen: je schneller, desto besser. Und: Weder Parkregelungen noch Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten, wenn ich im Sportwagen sitze. Während der Durschnitts-Pöbel sich also schwerbepackt mit vollen Aldi-Tüten über die Theo schleppt, heißt es: Obacht! Denn da kommt er auch schon angeschossen, der Blitz in matt-silber – zu schnell selbstverständlich – und ohne Rücksicht auf Verluste. Wenn man erstmal den Schreck verarbeitet, die zu Boden gefallene Aldi-Tüte aufgehoben und das Obst eingesammelt hat, nicht ärgern! Denn: Ein Stück näher dran, ein waschechter Stuttgarter zu sein.
#8) Eine Partie Schach auf dem Schlossplatz spielen
Wer den „Toga-Tänzer” auf der Königstraße oder dem Schlossplatz erspäht hat, muss für das nächste Totem nur eine paar Schritte weitergehen. Der Schlossplatz ist zwar bekannt für die tägliche Dosis des absoluten Wahnsinns und die kuriosesten Gestalten der Stadt, aber inmitten des Trubels befindet sich eine kleine Oase der Ruhe. Dort sitzt bei jedem Wetter der beste Schachspieler Stuttgarts. Der alte, freundliche Mann sitzt seelenruhig vor zwei Schachbrettern und ist allzeit bereit für eine Partie. Wer dem Chaos der Innenstadt entfliehen und kurz mal die grauen Zellen anregen möchte, darf auf dem Stuhl gegenüber Platz nehmen und diese Stuttgarter Legende zu einem Match herausfor-dern. Und kein Grund zur Sorge: Man muss nicht gewinnen, um dieses Totem abhaken zu können.
And, Stuttgarter Friends, any successes here?
Credit goes to “Lift”